Lerntipps

Was tun bei Lernblockaden? (K)ein Lerntipp

Der Tag hatte für Georg ja "gut" begonnen! Als er in den Bus stieg, um zur Schule zu fahren, fiel ihm ein, dass er seinen Schülerfahrtausweis vergessen hatte, der für seine Fahrt zum gestrigen Nachmittagtraining noch in der Tennistasche steckte. Die Zeit war zu knapp, um nochmals nach Haus zu laufen und den Ausweis zu holen. Prompt gab es eine Fahrscheinkontrolle und es gelang Georg nicht, den Kontrolleur zu überreden, heute ein Auge zuzudrücken. Er musste seinen Namen und seine Adresse angeben, an die ein Zahlschein mit der Strafgebühr geschickt werden würde. "Das kostet mich eine Woche Taschengeld", seufzte er und sah schon seinen Vater, der ihm zumindest einen Vortrag über Ordnung halten würde.

Während er in der ersten Schulstunde noch über sein morgendliches Missgeschick grübelte, rief ihn die Lehrerin zu einer Wiederholung auf, bei der er alles durcheinander brachte, und die Lehrerin kopfschüttelnd feststellte, "Das ist wohl heute nicht dein Tag!" und seinen Banknachbarn aufrief.

Dass sich Georg im Turnunterricht bei einem Sturz einen blauen Fleck holte, seine Füllfeder vom Schreibpult rollte und die Feder spragelte, machte den Tag "perfekt".

Für den Nachmittag hatte sich Georg vorgenommen, nach den Hausaufgaben endlich mit dem Lernen für die entscheidende Geschichtsprüfung in der nächsten Woche zu beginnen. Schon die Hausaufgaben wollten ihm nicht von der Hand gehen und er brauchte drei Mal so lang wie üblich. Aber nachdem er zwei Seiten in seinem Geschichtsbuch studiert hatte, kam es ihm vor, als ob seine Gedanken plötzlich irgendwie "leer" wären. Er kam immer mehr ins Grübeln, denn er konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, was er gerade gelesen hatte. Zwar wollte er lernen und den nicht unbedingt geliebten Geschichtsstoff hinter sich bringen, aber als er in dem Buch zurückblätterte und noch einmal von vorne begann, ging es ihm wie beim ersten Mal. Er hatte das Gefühl, unter einer unsichtbaren Glocke zu stehen, die verhinderte, dass irgendetwas zu ihm durchdrang. Dennoch arbeitete er drei Stunden beinahe verbissen bis zum Abend durch.

Als er am nächsten Tag den Rest des Lernstoffes für die Geschichtsprüfung anging, merkte Georg, dass vom gestrigen Lernen fast nichts hängen geblieben war, aber er hatte das in einer Stunde spielend nachgeholt.

Solche Situationen haben wohl die meisten SchülerInnen schon einmal erlebt. Diese "Lernblockaden" oder "Lernhemmungen" kann man als eine Art Hilferuf auffassen, die unser Gehirn  oder auch unser "Bauch" ausschickt, um zu sagen "Für heute ist es genug!" oder "Jetzt brauchst du nur noch Ruhe!"

Wenn man sich wie Georg nun krampfhaft bemüht, trotz dieser "Glocke" immer wieder "mit Gewalt" Stoff aufzunehmen, wird man keinen Erfolg haben. Durch solche Blockaden wird das Lernen erschwert oder wie im Fall von Georg sogar unmöglich gemacht. Wenn eine Lernblockade hie und da vorkommt, sollte man daher besser das Buch zuklappen und das Lernen auf den nächsten Tag verschieben.

Wenn man solche Blockaden nämlich mit "Gewalt" durchbrechen will, dann wird man mit der Zeit das Lernen als immer unangenehmere Tätigkeit erleben, sodass eine Art Teufelskreis entsteht. Dann kann es passieren, dass man bald an jeden Prüfungsstoff mit einem unangenehmen Gefühl herangeht und Lernen nur noch als mühsam und quälend erlebt.

Zwar wird es nicht immer möglich sein, das Lernen aufzuschieben, aber in manchen Ausnahmefällen kann es besser sein als ein krampfhaftes Durchziehen, das nur zu Frust führt und letztendlich doch nichts bringt.

Unser Lerntipp soll aber nicht dazu verleiten, jedes Mal bei mangelnder Motivation das Lernen auf den nächsten Tag zu verschieben.

Und wenn sich - was leider häufig der Fall ist - das Lernen in einer solchen Stimmung überhaupt nicht verschieben lässt, dann sollte man zumindest für eine Stunde oder auch zwei etwas ganz anderes tun. Etwa mit dem Hund einen Spaziergang machen, eine Musik-CD hören oder einfach nur ein Loch in die Decke starren ...

Ein kleiner Trick: Die Papierknäuelmethode

Um mit solchen Lernblockaden umzugehen, ist die Papierknäuelmethode gut geeignet. Dazu schreibt man die Missgeschicke, die einem widerfahren sind, auf Zettel und legt sie alle vor sich auf. Dann knüllt man diese Zettel zusammen und wirft sie in hohem Bogen in den Papierkorb. Ein Missgeschick nach dem anderen wird so "entsorgt". Wenn man beim Werfen auch noch den Papierkorb verfehlt, dann sollte man den Tag wirklich abhaken ;-)



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